Kirche im Web 2.0

Wird Pfarrer Braun jetzt auch im WebTV der Kirchen kriminalisieren?

Ein WebTV der katholischen Kirche, durch dessen Programm vielleicht eine so beliebte Figur wie Pfarrer Braun führen würde, um die User zu binden – so könnte die Antwort der katholischen Kirche aussehen auf die von der Videoplattform „Youtube“ geprägten Nutzergewohnheiten gerade der jungen Zielgruppen, die Inhalte nach ihren Bedürfnissen auswählen, und gerade nicht einem linear vorgegebenen Programmschema folgen. Auf einem kirchlichen WebTV könnten die Inhalte transportiert werden, die die Kirche vermitteln will; Brauchtum wäre ein Anknüpfungspunkt: Taufen, Hochzeiten, Kirchenführungen, aber auch zentrale Glaubensfragen könnten in kurzen Videos dargestellt werden. Längere Filme könnten interessante Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens in Interviews vorstellen oder Klosteranlagen, Kathedralen und die Lebenswege von Heiligen darstellen. –  Das WebTV der katholischen Kirche: Wie und wann wird es (virtuelle) Realität?

 

Entscheidend sind Kosten, Zielgruppen und die Art des Angebotes

Mit diesen und ähnlichen Fragen hat sich in Kooperation der Akademie Franz-Hitze-Haus im Bistum Münster, des Online-Magazins kirchensite.de, von kath.de-Medienservice und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Tagung zum Thema „Kirche im Web 2.0“ im März 2009 beschäftigt.

„Das Bekenntnis zum Bewegtbild ist in der Kirche vorhanden“, bestätigte Matthias-Johannes Fischer, Geschäftsführer der Allgemeinen gemeinnützigen Programm-Gesellschaft (APG), der verschiedene Perspektiven für einen kirchlichen Fernsehkanal im Internet vorstellte. Doch es gebe unterschiedliche Möglichkeiten, dieses Angebot umzusetzen. Entscheidend könnten dabei die Kosten sein: So verursache ein eigener Digitalkanal vergleichsweise hohe Kosten. Ein günstigerer Ansatz sei das Web-TV, mit dem man außerdem mehr Nutzer erreichen könne. Eine weitere entscheidende Frage sei, wen man erreichen wolle und welcher Art das Angebot sein soll: Ein „lineares Programm“ im Netz, bei dem die zeitliche Abfolge vorgegeben ist? Eine Auswahl, aus der der User auf Wunsch sein eigenes Programm zusammenstellen kann? Oder eine Kombination aus beidem? Fischer verwies auf kirchliche Videoportale wie www.kirche.tv und web-tv.katholisch.de, wo der User neben einer Auswahl an bestehenden Filmen ein lineares Programm abrufen kann.

 

Reichweite erhöhen

Längst nutze die Kirche bereits vorhandene nicht-kirchliche Videoplattformen wie YouTube, wo zum Beispiel Fernsehpfarrer Dietmar Heeg einen Tagessegen veröffentlicht, sagte Fischer. Das verursache keine Betriebskosten, man könne die Reichweite erhöhen und neue Zielgruppen, auch nichtkirchliche User, ansprechen. Als Nachteile nannte Fischer die schlechte Auffindbarkeit, das unkontrollierbare Umfeld und gegebenenfalls „eine Sinnverschiebung durch anders besetzte Kontexte“.

Web-TV sei nur eine Spielart von Web 2.0, sagte Fischer. „Die Bedeutung von Interaktivität und Community wird in den kommenden Jahren noch wachsen.“ Auch die Angebote würden sich vervielfältigen. Für das kirchliche Engagement könnte daraus folgern, beispielsweise eine bundesweite Marke herauszubilden und vorhandene diözesane Aktivitäten einzubinden. „Es kommt darauf an, dass wir im Internet auffindbar sind über eine Marke.“

 

In Portalen vertreten

Wie vielfältig die Kirche bereits jetzt in Web 2.0-Angeboten vertreten ist, zeigte Jürgen Pelzer vom kath.de-Medienservice aus Frankfurt/Main. So seien Pfarrer in Foren und Blogs aktiv, wie beispielsweise 20 Bischöfe auf den Philippinen, die sich regelmäßig im Internet an die User wenden. Pelzer stellte außerdem eine aktuelle Studie vor, die kirchliche Angebote im Web 2.0 erforschen möchte. Vor allem Jugendgruppen wie Messdiener, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Pfadfinder seien im Internet präsent. „Primärer Ort der Sozialisation von Jugendlichen ist das Internet.“ Bei ihnen spiele die Community, das soziale Netzwerk, eine große Rolle. Genaue Ergebnisse der Studie wurden im Mai 2009 veröffentlicht.

Zurzeit laufen die Planungen zu einem kirchlichen Fernsehkanal; eine grundsätzliche Einigung steht aber noch aus.

(Quelle: www.kirchensite.de, Almud Schricke und www.kath.de, Jens Albers, Eckhard Bieger)

 

Die Studie „Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0“

Web 2.0 Ist eine große Chance für die Glaubensverkündigung

Die Studie „Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0“ hat untersucht, wie die verschiedenen Communities, Blogs und Videoportale, für kirchliche Sinnangebote genutzt werden und welche Chancen darin liegen. Sie ist die erste, die sich explizit mit kirchlichen Sinnangeboten im so genannten Mitmach-Web auseinandersetzt.

Die von der Akademie Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge, Kassel, in Auftrag gegebene Studie wurde vom Fachbereich Katholische Theologie, Lehrstuhl für Religionspädagogik und Mediendidaktik der Goethe-Universität, Frankfurt, unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Trocholepczy durchgeführt.

Für Trocholepczy zeigt die Studie, dass die Gemeinschaft der Kirche mit den interaktiven Möglichkeiten im Web 2.0 ihrem Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums immer mehr auch digital gerecht werden muss.

„Wir müssen als Kirche mit der Technologie des Web 2.0 experimentieren“, sagte der Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, im Rahmen einer im kirchlichen Bereich erstmals durchführten Online-Pressekonferenz auf www.kirche.tv, bei der die Studie „Kirchliche Sinnangebote Im Web 2.0“ am 15. Juni 2009 vorgestellt wurde.

Bischof Fürst betonte, dass das Web 2.0 eine große Chance für die Glaubensverkündigung sei, wenn Menschen sich gegenseitig von ihrem Glauben in Communities oder Blogs erzählen. Der Medienbischof rät Pfarrgemeinden das Web 2.0 deshalb auch mehr zu nutzen.

Die Ergebnisse der Studie stehen ab sofort unter www.kirche-im-Web20.de zum Download bereit. Ansprechpartner: Jürgen Pelzer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fachbereich Katholische Theologie, Email: j .pelzer@em.uni-frankfurt .de.

 

Ziele und Ergebnisse der Studie:

Die Studie zur Kirche im Web 2.0 verfolgte zwei Primärziele:

  1. Eine erste verlässliche Übersicht über kirchliche Aktivitäten im Web 2.0 und über religiöse Aktivitäten. Daraus folgt eine „Landkarte“ der Kirche im Web 2.0, die vor allem den religiös interessierten Surfern Orientierung im Internet ermöglichen soll.
  2. Datenmaterial zum Vorkommen religiöser Themen und Aktivitäten im Web 2.0 und Handlungsempfehlungen für die Internetstrategie der Kirche.

 

Die Fragen, die die Studie beantworten möchte:

Wo kommt Kirche/Glaube im Web 2.0 vor?

Wie und durch wen kommt Kirche/Glaube im Web 2.0 vor?

Findet Kommunikation über Glaubensthemen statt?

Welches Ausmaß hat user generated religious content im Web 2.0?

Welche Konsequenzen ergeben sich für die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit?

 

Ergebnisse:

44 Porzent der 700* befragten religiös interessierten Internetnutzer sind innerhalb bestehender Netzwerke Mitglied einer religiösen oder kirchlichen Gruppe.

Bei der Gruppe der 15-16 Jährigen sind es 76%.  Damit zeigt sich der Trend den andere Studien auch zeigen: Die Generation der unter 25 Jährigen nutzt die Online-Communitys verstärkt. Dieser Trend gilt anscheinend auch für religiös interessierte Internetnutzer.

Die genutzten Communitys sind regional unterschiedlich nachgefragt.

49 Prozent der Befragten ist schon einmal religiöser Inhalt in YouTube begegnet.

72 Prozent kennen es und 59 nutzen es.

59 Prozent wünschen sich mehr Multimedialität auf kirchlichen Webseiten.

Blogs sind mit 89 Prozent sehr bekannt und 29 Prozent der Teilnehmer lesen Blogs mit religiösem Inhalt.

* Für die Umfrage wurden 700 Internetnutzer befragt. Die Umfrage wurde nur im Internet auf religiös-kirchlichen Internetseiten und Newslettern beworben.

(Quelle: Bruderhilfe - Pax - Familienfürsorge, 19.06.2009)