Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht
Sorgenkind Religionsunterricht: Wie soll, wie kann er in Zukunft aussehen im Hinblick auf beständig sinkende Zahlen christlicher Schüler vor allem in Ballungsgebieten? In Berlin stellt sich die Frage ganz anders: Soll es überhaupt noch verpflichtenden Religionsunterricht geben? 51,3 Prozent der Teilnehmer eines Volksentscheids im April 2009 antworteten mit 'Nein'. Die Bürgerinitiative 'Pro Reli' scheiterte. Dass es aber auch anders gehen kann, zeigt ein Modellprojekt in Baden-Württemberg.
Das Land Baden-Württemberg hat 2005 ein Modellprojekt zum Religionsunterricht entwickelt, dessen Erfolg nun durch eine wissenschaftliche Studie belegt wurde. "Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht" lautet die innovative Idee, die in gemeinsamer Trägerschaft von katholischer und evangelischer Kirche umgesetzt wird. Dabei unterrichten jährlich abwechselnd entweder ein katholischer oder ein evangelischer Pädagoge die konfessionell gemischten Klassen. Mit dem Modellprojekt war die Hoffnung verbunden, dass die Kinder ein tieferes Bewusstsein der eigenen Konfession und mehr ökumenische Offenheit entwickeln würden.
Kritik erntete das Projekt dennoch. Eine Befürchtung seitens des Rates der Evangelischen Kirche und der Deutschen Bischofskonferenz lautete, dass das Modell einen Einstieg in einen ökumenischen Religionsunterricht darstelle, wodurch die grundgesetzlich garantierte Idee des konfessionellen Religionsunterrichts verloren gehe.
Die Studie aber beweist nun, dass diese anfängliche Befürchtung sich nicht bestätigt hat. Man kann sogar sagen, das Gegenteil ist eingetreten. 48 Prozent der Lehrer gaben an, dass der Unterricht den Kindern das Besondere der eigenen Konfession vor Augen geführt habe und dass sie sich ihrer eigenen konfessionellen Prägung nun bewusster geworden seien. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Schüler im direkten Vergleich mit Teilnehmern von normalem Religionsunterricht die Unterschiede zwischen Protestantismus und Katholizismus besser benennen können. Gleichzeitig stieg bei mehr als einem Drittel der Schüler in hohem Maß die Offenheit für ökumenische Gedanken. - Ein Modell also, das Schule machen könnte!
Quelle: KNA
Literaturtipp zum Thema: Birgit Hoppe, Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht: Geschichtlicher Kontext, Organisationsformen, Zukunftsperspektiven, 184 Seiten, broschiert, Vdm Verlag Dr. Müller, September 2008, ISBN 978-3-83645-068-3, 68,- Euro
Seit dem Schuljahr 2005/06 gibt es in Baden-Württemberg konfessionell-kooperativen Religionsunterricht. Dieses Buch belegt ausunterschiedlichen Blickwinkeln dessen Einzigartigkeit in Deutschland. Nach Betrachtung der rechtlichen Grundlagen und kirchlichen Rahmenvorgaben zeigt Birgit Hoppe detailliert, welche Organisationsformen von Religionsunterricht in den einzelnen Bundesländern bestehen. Die Autorin beleuchtet ausführlich die 'Vereinbarung zur konfessionellen Kooperation in Baden-Württemberg' zwischen den Kirchenleitungen und bietet einen Kriterienkatalog zur Weiterentwicklung von konfessioneller Kooperation an. Die Veröffentlichung eines Interviews mit zwei Hauptverantwortlichen des baden-württembergischen Modellversuchs bietet zusätzlich Gelegenheit, die dortige Entwicklung von Beginn an nachzuvollziehen. Das Buch richtet sich nicht nur an Forschende, sondern an alle, die Interesse an konfessioneller Kooperation im Religionsunterricht haben und deshalb Basiswissen erwerben möchten: an Lehrkräfte, Schulleitungen, Eltern, Studierende und kirchliche Mitarbeiter.




